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ISHR im Fokus

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) besuchte kürzlich die International School Hannover Region, um mit unserem Direktor John Barker und einer unserer 6. Klassen über die Nutzung elektronischer Geräte in der Schule zu sprechen. Der daraus resultierende Artikel, der am 17. Dezember veröffentlicht wurde, untersucht, wie die ISHR und andere unabhängige Schulen in Hannover digitales Lernen erfolgreich mit einer strikten „handyfreien” Politik verbinden. Er hebt hervor, wie die durchdachte Integration von Technologie in den Unterricht das Lernen unterstützen, Ablenkungen reduzieren und das Wohlbefinden fördern kann.


Nachfolgend finden Sie den Artikel.

Handyverbot und trotzdem digital top: Freie Schulen aus Hannover machen es vor

Handyverbot und trotzdem digital top: Freie Schulen aus Hannover machen es vor
Die International School Hannover Region und die Kämmer International Bilingual School (Kibs) sind handyfrei und dennoch in Sachen Digitalität auf der Höhe. Wie gelingt den Schulen die Balance zwischen digitalem Lernen und dem Verzicht aufs eigene Smartphone? Und was sagen die Schüler dazu?

Saskia Döhner, 17 Dezember 2025

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Hannover. Die Schilder im Gebäude sind unübersehbar: Die International School Hannover Region in Maschsee-Nähe, die von knapp 600 Kindern mit 65 unterschiedlichen Nationalitäten besucht wird, ist seit Anfang dieses Schuljahres eine„Phone-free School”. Die privaten Smartphones der Schüler müssen ausgeschaltet im Spind aufgehoben werden. Das Handyverbot gilt von Jahrgang eins bis zwölf. In den Handreichungen für die Schulen, die das niedersächsische Kultusministerium zusammen mit Hamburg erarbeitet und gerade veröffentlicht hat, gibt es dagegen nach Schüleralter gestaffelte Empfehlungen – vom strikten Handyverbot in der Grundschule bis zu mehr Freiheiten in der Oberstufe.

„Die Schulen müssen etwas tun“

„Wir wollten eine Regel für alle“, sagt der Leiter der International School, John Barker. Die älteren Schüler seien schließlich Vorbild für die jüngeren. Der Schaden, den Smartphones erwiesenermaßen bei Kindern anrichteten, sei zu hoch, sagt er. Es gehe nicht nur um Ablenkung vom Lernen, es gehe um das Wohlergehen der Jugendlichen an sich. Die Schulen seien in der Verantwortung, etwas zu tun. „Wir sind nicht gemein“,sagt Barker, „wir schützen unsere Schülerinnen und Schüler.“

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Studien zeigen: Kinder sind immer früher am Handy

Laut der 2023 publizierten Mini-Kim-Studie hat der persönliche Zugang der Zwei- bis Fünfjährigen zu smarten Geräten seit 2020 zugenommen. Inzwischen verfügt jedes fünfte Kleinkind über ein eigenes Tablet und jedes zehnte Kind über ein Handy oder Smartphone. Die Studie ergab, dass 23 Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen täglich mindestens ein internetfähiges Gerät wie ein Smartphone, ein Tablet, einen Laptop oder einen Sprachassistenten nutzen. Bei Einbeziehung von Mediatheken,Streamingdiensten, Computerspielen oder Apps steigt dieser Anteil auf 44 Prozent.

Auch an der freien Waldorfschule Bothfeld dürfen Kinder bis einschließlich achter Klasse keine eigenen internetfähigen Geräte mit in die Schule bringen, ab der neunten Klasse steht das Fach Medienkunde auf dem Stundenplan.

Durch das Handyverbot werde ein großer Druck von den Kindern genommen, sagt Schulleiter Barker von der International School. Sie müssten nicht mehr sofort auf Nachrichten in den sozialen Medien reagieren. Es habe überraschend wenig Widerstand gegen die Einführung des Handyverbots vonseiten der Eltern oder Kinder gegeben. Der positive Effekt sei aber spürbar. „Nun reden unsere Schüler wieder mehr und spielen miteinander“, sagt Barker.

Das Handyverbot bedeute jedoch nicht, dass die Kinder nicht mit digitalen Medien arbeiteten, sagt Marketingleiterin Natascha Rockwin. In der Grundschule nutzen die Kinder Klassensätze mit iPads. Ab der sechsten Klasse hat jeder Schüler sein eigenes Laptop. „Die Technologie muss einen positiven Effekt auf das Lernen haben“, sagt Barker, „sonst setzen wir sie nicht ein.“

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Schon das Handy im Ranzen kann ablenken

Sechstklässler Max (11) sagt, er arbeite gern mit dem Laptop, aber es sei auch gut,zwischendurch die Handschrift mit dem Stift zu üben. Ein Handy brauche man in der Schule auch nicht, findet Rachel (11). Auf ein solches Gerät zu verzichten, sei besser fürs Lernen, ergänzt Jasritha. So könne im Unterricht auch nicht das Handy klingeln.

Englischlehrerin Linda Pizzarello hat die Erfahrung gemacht, dass es für die Jugendlichen besser ist, das Handy nicht in Reichweite, sondern im Schließfach zuhaben. „Wenn es in der Hosentasche vibriert, ist die Versuchung einfach groß, darauf zuschauen.“ Ein Sechstklässler merkt noch an, dass es schon etwas weniger Hinweisschilder darauf geben dürfe, dass die Schule handyfrei sei. Das wisse man ja nun.

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Digitalgeräte zum Lernen, nicht zum Daddeln

An der Kämmer International Bilingual School (Kibs) in Bemerode müssen Schülerhandys ausgeschaltet im Ranzen oder besser im Schließfach bleiben. Doch Bienenroboter zu programmieren und durch einen Parcours fahren zu lassen, lernen Kinder dort schon im Kindergarten. Und ganz nebenbei lernen sie wichtige andere Dinge, wie die pädagogische Leiterin Maren Clarke (45) sagt. Zum Beispiel, wo rechts und links ist. In der Grundschule haben die Schüler ab der zweiten Klasse ihr eigenes Tablet und Coding, also Programmieren, als Unterrichtsfach. „Wir setzen digitale Endgeräte ein, wenn es einen pädagogischen Mehrwert gibt und etwas analog mit Papier und Stift nicht geht“, sagt Clarke, die auch die Grundschule der Kibs verantwortet.

Neben dem Umgang mit den Digitalgeräten lernen die Kinder Medienerziehung, beschäftigen sich mit Datenschutz, dem Recht am eigenen Bild, aber auch mit der Suchtgefahr und Algorithmen. Das Schädliche sei nicht der Lerneinsatz von digitalen Medien in der Schule, sagt Kibs-Geschäftsführerin Heike Eckhoff, sondern unbeaufsichtigte Medienzeit zu Hause, in der Kinder selbst auf vermeintlichen Kinderkanälen wie YouTube Kids mit verstörenden Inhalten in Kontakt kommen könnten. Es gehe um einen altersgerechten, gesunden Einsatz digitaler Medien.

Von einem totalen Verbot digitaler Medien in der Schule halten Clarke und Eckhoff nichts. „Das ist, wie wenn man den Kindern bis zum 18. Geburtstag Schokolade verbietet und sie danach ganz viel davon essen, um nachzuholen, was sie verpasst haben”, sagt Eckhoff. Besser sei ein wohldosierter, verantwortungsbewusster Einsatz – mit Schokolade genauso wie mit Digitalgeräten.

Es gehe um eine Balance zwischen Forschen mit digitaler Technik und analogem Lesen,sagt Clarke. Gerade das Lesen sei eine entscheidende Kompetenz. Um diese zu fördern,gibt es seit einem Jahr an der Kibs für Grundschüler einen Lesewettbewerb. Die Schülerinnen und Schüler können dabei für die ihnen zugehörigen Häuser – ähnlich den Schulhäusern in Harry Potters Hogwarts – durch viel Lesen Punkte sammeln. Wer am meisten liest, gewinnt.

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Kinder kennen die Gefahren der Handys

Bei den Kindern kommt das alles gut an. „Für Lehrer ist es sonst sehr anstrengend“, sagt Marie (8), mit den Handys steige nämlich die Mobbinggefahr. Paul (9) warnt davor, dass Kinder Smartphones falsch nutzen könnten. Thea (8) sagt, man könne leicht auf Social-Media-Beiträge geraten, die für Kinder noch nicht geeignet seien. Oder es könnten „Gewinnspiele aufploppen, die für unser Alter gar nicht gut sind“, ergänzt Sophia (8).

Ein Kind könne auch aus Versehen mit seinem Handy etwas Teures kaufen, warnt David(9). Enna (9) weiß, dass Handyspiele mit den Labubu-Monstern aus China süchtig machen können. Die Kinder sind sich zudem bewusst, dass sie keine persönlichen Daten ins Internet eingeben dürfen.

„Wir brauchen gar kein Handy“, ist Oskar (7) überzeugt. Und Niekdad (9) kennt die schädlichen Folgen von zu viel Bildschirmzeit. Wer morgens vor der Schule auf das Handy gucke, könne sich danach nicht mehr konzentrieren, wenn gleich ein Mathematiktest anstehe, meint er.

Ohne Handy bleibe in der Pause einfach viel mehr Zeit für anderes, findet James (8) –zum Fußballspielen, Pausenbrot essen oder für das Gespräch mit Freunden.

HAZ